Martin Stommel im Studio

About the artist

Martin Stommel wurde 1969 in Bonn geboren. 1994 bis 1997 absolvierte er ein Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Prof. Bernhard Weißhaar. Von 1993 bis 2001 war er Schüler von Boris Birger. Von 1998 bis 1999 folgte ein weiterführendes Studium der Malerei an der HdK Berlin bei Prof. Klaus Fußmann.

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Martin Stommel was born in Bonn in 1969. From 1994 to 1997 he studied painting at the Academy of Fine Arts in Munich under Prof. Bernhard Weißhaar. From 1993 to 2001 he was a student of Boris Birger. From 1998 to 1999 he continued his studies in painting at the HdK Berlin with Prof. Klaus Fußmann.

GEBOREN | BORN

1969 in Bonn

GENRE

Malerei/Painting

LAND | COUNTRY

Deutschland/Germany

ABSCHLUSS | DEGREE

Akademie der Bildenden Künste München (Prof. Bernhard Weißhaar), HdK Berlin (Prof. Klaus Fußmann)

KÜNSTLER-STATEMENT | ARTIST STATEMENT

01.

Ich kreiere Bilder, weil ... | I create pictures, because...

Ich bin mir nicht sicher, ob ich Bilder kreiere. In Bildern steckt schließlich so vieles, schon allein das Bewußtsein, daß sie möglich sind, ist zehntausende Jahre älter als ich. Und welche großartigen Werke in all der Zeit über die Menschen ausgestreut wurden, von denen doch viele meinen Entschluß beeinflussen, Bilder zu malen! Beeinflussen ihn so sehr, daß ich gar nicht ganz überzeugt diesen Entschluß meinen eigenen nennen kann. Diese ganze stetig wachsende Fülle steht der Fülle des Hier und Jetzt gegenüber, hat sich immer in ihr wiedergefunden. Es ist ein geistiges, vielleicht kosmisches Prinzip, das sie reagieren, sich wieder und wieder kristallisieren will. Der Maler, auch ich selbst bin das Reagenzglas.

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I am not sure, if I create pictures at all. Pictures contain so much, the consciousness needed to create them is ten thousands of years older than me. And how many great artworks have been spread across humanity in all that time, of which many influence my determination to paint! This decision is so primal, I‘m not even convinced it is based on my own making.
This whole ever growing abundance was always found in the plenitude of the here and now. It is a spiritual, maybe cosmic principal wanting to test and crystallize again and again. Me, the painter poses the test tube.

02.

Wie funktioniert Visualisierung? | How does visualization work?

Visualisierung ist ein erotischer Prozess, also sie wird immer von außen angeregt, entwickelt sich aus der Situation des Gegenüber, selbst wenn dieses Gegenüber ein im Gedächtnis Liegendes ist. Daher fühlt sich der Künstler oft zu einer Visualisierung geradezu getrieben, eben wie ein Verliebter. Bei mir entsteht die Idee zu einem Bild gemeinsam mit Bild-Elementen wie Bewegungen oder Szenarien. Eine Idee, die nicht im Entstehen mit Bildhaftem verbunden ist, wird wahrscheinlich auch nie ein Bild füllen können, zumindest nicht bei mir.

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Visualization is a voluptuous process, always being inspired from outside and evolving from the situation of a fellow being, even if that fellow is only based on memories. Therefore the artist often feels driven to a visualization just as a lover. For me the idea of a picture emerges together withs image elements of sceneries or movements. An idea which in its emergence is not combined with the pictorial will probably never be able to fill the picture, at least not mine.

03.

Wie mein Stil entstand. | How my individual style has developed.

Diese Frage erinnert mich an meine erste Ausstellung in einem kleinen örtlichen Kunstverein, ich war damals 16 Jahre alt. Neben dem Lob gab es auch leise Kritik. Ich hatte Bilder von Gesichtern in einer bewegten, etwas kubistischen Manier gemalt, daneben Landschaften ein bißchen in der Art des Rokoko, andere expressiv, ein besonderer Eyecatcher waren surreale Szenarien. Mir wurde gesagt, mir fehle noch der eigene Stil. Ich selbst konnte alle Bilder durchaus als meine erkennen und hatte keine Lust, irgendetwas davon zu lassen.
Recht bald begann ich, nach der Natur zu zeichnen, bat jeden, der mir interessant erschien, mir Modell zu sein. Als ich mit etwa 24 Jahren meinen Lehrer Birger kennenlernte, vertiefte sich das Arbeiten nach der Natur, weitete sich auch auf das eigentliche Malen aus. Wenn ich heute die Arbeiten ansehe, die mir aus dieser Zeit geblieben sind, bemerke ich die starke unbewusste Anlehnung an den Stil meines Lehrers und auch den unbewussten Widerstand dagegen. Damals spielte die Frage nach der Manier aber keine Rolle, es ging ja fast immer nach der Natur, die mir doch nur einen Weg der Darstellung ließ, nämlich den meiner Aufmerksamkeit. Vor allem aber erkannte ich, daß die Schwierigkeit, ein Bild zu malen, in Wahrheit aus einer Vielzahl von Problemen und Fehlerquellen herrührte. Heute ist natürlich der Begriff des Fehlers eine Art rotes Tuch für den Zeitgeist, aber wir werden es überleben und die Fehler werden es sogar ganz sicher überleben.
Als ich auf die Akademie nach München kam, war es für mich eine ziemliche Überraschung: Die meisten Kommilitonen arbeiteten tatsächlich in einer jeweils sehr klar definierten Art und Weise, bei den meisten gab es nicht einmal stilistische Ausrutscher. Allerdings tummelten sich die konkreten, die abstrakten, auch wenig gegenständliche und die Foto- oder Mixed-Media-Stile in einer Menge und gleichzeitig klar abgrenzbaren Eigenart bunt durcheinander. Es gab erkennbar diesen Drang, sich irgendwie festzulegen in einer Kunstwelt, die schon in der Generation unserer Eltern die Kunstproduktion kaum noch in homogenen Gruppen aus Schulen oder allgemeinen Richtungen erfuhr. Natürlich war mir das Problem nicht fremd, aber auch nicht bekannt, wie stark es sich schon in der frühen Akademiephase auswirkte. Ich war naiv, bin es wahrscheinlich heute noch, denn immerhin bedeutete die Akademiezeit nicht allein (vielleicht nicht einmal primär) Ausbildung, sondern ersten Schritt in die Welt der Vermarktung. Mein individuelles Problem war in dieser Zeit, daß sich meine Art zu malen und meine Auffassungen nur schwer, um ehrlich zu sein gar nicht in diesem Akademiegeschehen einordnen ließen. Ich verließ also nach formalem Abschluß das Haus und startete meine Gasthörerschaft bei Fußmann in Berlin.
Dieses neue Kapitel war kurz, das Leben kassierte es durch die Geburt meiner ersten zwei Söhne und verlangte von mir, Geld zu verdienen. Ich arbeitete dann vor allem in zwei Themen, die mich auf lange Zeit prägen sollten. Das eine war der Zirkus, die barocke Inszenierung, das andere der Mythos, die ersten Bilder der Welt, in seinem Gefolge auch die Illustration der Divina Commedia.
Heute kommt es mir so vor, als seien diese beiden, die Präsenz der Aufführung und die Verbindung mit dem Ursprünglichen sozusagen die Pole, zwischen denen sich das Feld ausbreitet, in dem ich mich zuhause fühle.

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This question reminds me of my first exhibition at a small local art society when I was 16 years old. Besides the accolades there was also mild criticism. I had painted pictures of faces in a dynamic and a little cubistic manner, beside it landscapes in a somewhat rococo style, other images were expressive, some surreal sceneries turned out to be particular eye-catchers. I was told I still was lacking individual style. For myself though all paintings were very well distinguishable as my own and I had no intention to let go any of my mentioned approaches.
Rather soon I began to draw based on natural motifs and asked everyone who seemed inspiring to me to be my sitter. At an age of about 24 years I met my teacher Birger and my work following natural motifs intensified and extended to actual painting. Today when I look at the works which are left from this period, I notice the strong unconscious borrowing from the style of my teacher as well as the resistance against that. Back then the question of the manner didn‘t play any role though, since it was all about nature, which actually left only one way to express, which was by following my attention. Above all I realized that the difficulty to produce a painting in reality arose from a plethora of problems and error sources. Today the term of an error is of course a kind of red rag for the zeitgeist, but we will get over it and most certainly the errors will.
When I came to the academy in Munich I was taken by surprise: Each of the other students actually worked in a very clearly defined way and manner, most of them did not even show stylistic slips. Abstract and concrete, some objective art bustled with photo and mixed media styles as a whole but yet each with very distinctive character. There was a noticeable urge to somehow define oneself in the world of art, which in general experienced an art production not associated with any homogeneous group or art school anymore since the generation of our parents. That problem was not unbeknownst to me of course, though its extend to the early phase of the academy surprised me. I was naive, I probably still am, since the time in the academy does not solely mean education (perhaps not even primarily) but also a first step into the world of marketing. My individual problem during this time was that my way of painting and my notions hardly integrated into the realm of the academy. I eventually left the academy with a formal degree and began my guest student program in the class of professor Fussmann in Berlin.
This new chapter was short though, life cancelled it by the birth of my first two sons and the necessity to earn money. After that I mainly worked on two themes which coined my oeuvre for a long time. One was the topic circus as a baroque staging, the other was the myth as the birth of images followed by illustrations of the Divina Commedia. Today it seems to me as if these two themes and genres—namely the performance and the connection to nativeness—constitute the poles between which the artistic field stretches where I feel at home.

CURRICULUM VITAE

Einzelausstellungen (E) und Gruppenausstellungen (G) (Auswahl) | Solo Shows (E) and Group Shows (G)

2020
“Side by Side”,Orion Shima und Martin Stommel, GALLERY 70, Tirana, Albanien
„Dodo Dialogues“, janinebeangallery, Berlin (G)
„Art is a Remedy“, janinebeangallery, Berlin (G)

2019
„Arkadia“, janinebeangallery, Berlin (E)
„Lust and Expectation“, Gallery 70, Tirana, im Rahmen des Deutschen Oktobers – Tetori Gjerman in Tirana, Albanien. Gefördert durch die Deutsche Botschaft Albanien (E)

2018
Arthus Galerie, Zell a.H. (E)
Kunstraum David / Circus Roncalli, Wien (E)
Hilbert Raum, Berlin (E)

2017
artfein gallery, Berlin (E)

2016
Gallery Weekend, artfein gallery, Berlin (G)
The London Original Print Fair, Galerie Neuhauser Kunstmühle (G)
Circus Festival Monte Carlo, Jubiläumsausstellung (E)

2015
Personal Structures, European Cultural Center, Biennale Venedig (G)
The London Original Print Fair, Galerie Neuhauser Kunstmühle (G)
ART Karlsruhe, Galerie Mühlfeld und Stohrer (G)
Berliner Liste, artfein gallery (G)
artfein gallery, Berlin (E)
Galerie Mühlfeld und Stohrer, Frankfurt a. M. (E)

2014
ART.FAIR Köln, Galerie Mühlfeld und Stohrer (G)
Kunst Zürich, Galerie Mühlfeld und Stohrer (G)
The London Original Print Fair, Galerie Neuhauser Kunstmühle (G)
ART Karlsruhe, Galerie Mühlfeld und Stohrer, Galerie Neuhauser Kunstmühle (G)
Leipziger Buchmesse, Galerie Neuhauser Kunstmühle (E)

2013
salondergegenwart, Hamburg (E)
Lehmbruck-Museum, Duisburg (G)
Galerie Bernd Dürr, München (G)
Galerie Mühlfeld und Stohrer, Frankfurt a. M. (E)
ART Karlsruhe, Galerie Mühlfeld und Stohrer (E)
ART.FAIR Köln, Galerie Mühlfeld und Stohrer (E)
Museum Charlotte Zander (G)

2012
ART.FAIR Köln, Galerie Mühlfeld und Stohrer (G)
ART Karlsruhe, Galerie Mühlfeld und Stohrer (E)
Kunstverein Südsauerland, Olpe (E)
Galerie Mühlfeld und Stohrer, Frankfurt a. M. (E)

2011
ART.FAIR Köln, Galerie Mühlfeld und Stohrer (G)
Galerie Mühlfeld und Stohrer, Frankfurt a. M. (E)

2010
Galerie Hyna, Tegernsee (E)
Katholische Akademie in Bayern, München (E)

2008
Galerie Conzen, Frankfurt a. M. (E)

2007
Thyssen Krupp, Duisburg (E)

2006
Galerie Oltmanns, Unkel (E)
30 Jahre Galerie Dürr, München (Ausstellungsbeteiligung)
Istituto Italiano di Cultura, Frankfurt a. M. (E)

2005
Theatre Princesse Grace, Monaco unter der Schirmherrschaft von HSH Prince Rainier III (E)
Galerie Bernd Duerr , München (Ausstellungsbeteiligung)
Konrad Adenauer Stiftung, St. Augustin (E)

2004
Stadtmuseum Bonn Illustrationen zur Göttlichen Komödie (E)
Botanischer Garten, Bonn „Schlaraffenland und Idylle“ (E)

2003
Universität Duisburg-Essen Illustrationen zur Göttlichen Komödie (E)
Kunstmesse München / Galerie Bernd Duerr (G)
Diözesanmuseum Trier Illustrationen zur Göttlichen Komödie (E)
Galerie und Atelier Mensch, Hamburg
Galerie Bernd Duerr, München (Ausstellungsbeteiligung)
Museum Charlotte Zander, Bönnigheim „Zirkus-Portrait-Stilleben-Landschaft“ (E)
Kallmann-Museum , Ismaning „Manege Frei“ (E)

2002
(E)

2001
Circus Roncalli, Köln / Circus Fumagalli, Bonn und Düsseldorf (E)

2000
St. Remigius, Bonn (E)

1999
Lew Kopelew Forum , Köln (E)

1996
Bundesministerium für Wirtschaft, Bonn (E)

1996
Staatsgästehaus Petersberg, Königswinter (E)

1995
Städtische Galerie Wesseling, Wesseling (E)

1994
Altes Rathaus Oberwinter (E)

1988
Kunstverein Rhein-Sieg, St. Augustin (E)

ZENTRALE WERKE | KEY WORKS

Martin Stommel mit der Arbeit Der kleine Garten, 2020/Martin Stommel with his work Der kleine Garten, 2020

Martin Stommel, Der Sänger, Malerei/Painting, Öl auf Leinwand/Oil on Canvas, 230 x 160 cm, 2014

Martin Stommel, Day 6, Malerei/Painting, Öl auf Leinwand/Oil on Canvas, 210 x 260 cm, 2019

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